In folgenden Bereichen erscheinen derzeit Verbesserungen der Versuchstierhaltung möglich:
1. Bewegungsmöglichkeiten
Wie bei den meisten Nutz- und Haustierhaltungen ist die Bewegungsfreiheit auch der Versuchstiere durch die Abmessung der Haltungseinheit (Käfig, Box, Weide) begrenzt. Nach heutigem verhaltensphysiologischem Kenntnisstand erfüllen die neuen europäischen Normen die wesentlichen Anforderungen zur Bedarfsdeckung des artspezifischen Bewegungsbedürfnisses der einzelnen Tierarten.
2. Gruppenbildung
Das Gemeinschaftsbedürfnis variiert sehr stark zwischen einzelnen Spezies und ist bei einigen zudem geschlechtsspezifisch unterschiedlich. Bei sozial lebenden Tieren entspricht erst die Haltung in Gruppen dem Bedürfnis dieser Art und ermöglicht Normalverhalten: Einzelhaltung (soziale Deprivation) kann für solche Tiere ein Stressor sein und ist damit zu vermeiden. Da sich bei einigen Tierarten stabile Hierarchien ausbilden, sollten die Gruppen möglichst stabil bestehen bleiben.
3. Angereicherte Umwelt
Eine strukturierte Käfigeinrichtung sowie Wahl- und Beschäftigungsmöglichkeiten können zur Bereicherung der Umwelt bestimmter Tierarten geeignet sein. Mittlerweile sind einige geeignete und bewährte Systeme im Handel.Bei der Beurteilung der Eignung einzelner Komponenten ergibt sich zum einen die Schwierigkeit, dass es bis heute kaum wissenschaftlich unumstrittene Beurteilungskriterien gibt. Zum anderen treten auch innerhalb einer Spezies erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Stämmen bzw. Linien auf. Insbesondere auch angesichts der stark zunehmenden Anzahl transgener Nagerlinien müssen die Auswirkungen genombedingter Verhaltensunterschiede auf Komponenten, die der Anreicherung der Umwelt dienen, berücksichtigt werden. Daher sind Empfehlungen zu Änderungen von Haltungsbedingungen hinsichtlich ihrer Auswirkung auf Tier, Versuch und Betrieb sorgfältig zu überprüfen, bevor sie umgesetzt werden.